Spotter an der Fasnacht
Hunderttausende Fasnachtsbegeisterte in den Luzerner Gassen brin gen nicht nur Vorteile mit sich – ein Durchkommen für Guuggenmusigen gestaltet sich immer schwieriger. Die Musegg-Geischter setzen seit ein paar Jahren auf sogenannte «Spotter». Wir erklären was es damit auf sich hat und wieso man auch in Zukunft darauf setzen will.
Jahr für Jahr wird die Luzerner Fasnacht beliebter und zieht immer mehr Menschen in die Leuchtenstadt. Man könnte schon fast sagen, sie platze an gewissen Fasnachtstagen aus allen Nähten. Einerseits sicher dem schönen Wetter der letzten Jahre geschuldet und andererseits spielen bestimmt auch die sozialen Medien eine zentrale Rolle. Videos der Luzerner Fasnacht gehen viral – von zahlreichen aufwändig gestalteten Sujetgruppen bis hin zu Guuggerkonzerten auf den Guuggerbühnen in der Altstadt oder der Rathaustreppe. Die Videos werden in die Welt hinaus gestreamt – teilweise sogar live.
Virale Lozärner Fasnacht
Ein Fasnachtsständli ohne die angefressenen Fasnachtsfilmer ist zur Seltenheit geworden. Hunderttausende Musik- und Fasnachtsbegeisterte bestaunen die zahlreichen Luzerner Guuggenmusigen auf Instagram, Youtube und Facebook. «Da will ich auch mal hin», «wir sehen uns nächstes Jahr in Luzern», «boah wie geil ist das denn», «das will ich auch mal live erleben» hallt es in den Kommentarspalten. Man kann davon halten was man will, aber feststeht: Die musikalische Qualität der vielen Guuggenmusigen in Luzern hat in den letzten Jahren markant zugenommen.
Es wird fleissig gefilmt während den Auftritten.
Kein Wunder also zieht es vermehrt auch Fasnachtstouristen von nah und fern in die Luzerner Altstadt. Das bringt natürlich nicht nur Vorteile mit sich. Gerade als Guuggenmusig wird ein Durchkommen durch die Menschenmassen in den Luzerner Gassen an gewissen Abenden immer schwieriger bis fast unmöglich.
Wenn's eng wird
Diese Tendenz hat die Musegg-Geischter in den letzten Jahren dazu bewogen «Spotter» auszusenden – einer davon bin ich. Wenn es langsam eindunkelt und wir als Musig zum «Gässle» losziehen, kommt meine Zeit. Meine Aufgabe ist es, einige Meter vor der Musig zu laufen und einerseits zu schauen, dass Kinderwagen und Handziehwagen von dannen ziehen und so der Musig ein Durchkommen erleichtern und andererseits in Absprache mit dem Tambi gewisse angedachte Standorte für Ständlis auszuspotten. Genauer gesagt, ich gehe ein paar Minuten voraus und schaue ob auf den einzelnen Plätzen bereits andere Formationen spielen und welche gewünschte Standorte noch frei sind. Dies verhindert beispielsweise ein unnötiges Retourlaufen aus engen Gassen mit den rund 80 Mitgliedern (ja das ist ziemlich kompliziert ;-)) und mindert Verstopfungen in der Altstadt durch minutelanges Warten, denn unter einem «Grend» ist nur schwer zu erkennen, ob ein Platz frei ist oder eine Musig gerade ein nächstes Stück anspielt. Dieses vorausschauende «Gässle» sorgt ausserdem auch für gegenseitige Rücksichtsnahme unter den Musigen und Sujetgruppen, denn mit einem Handzeichen zum Tambi kann die Lautstärke des Schlags zurückgenommen werden, wenn auf einem Platz gerade eine Theatergruppe ihre Vorführung hat oder eine Musig ihr Paradestück zum besten gibt.
Bewährtes Vorgehen
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich dieses «Spotten» durchaus bewährt hat und teilweise auch bereits bei anderen Vereinen Schule macht. «Nach Möglichkeit werden wir sicher zu gewissen ‹Stosszeiten› an diesem Vorgehen Festhalten», sagt Tambi Reto «Willy» Krummenacher. In diesem Sinne: Eine rüüdig schöne und hoffentlich nicht allzu «enge» Fasnacht.